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Die eigene Musik veröffentlichen – die Möglichkeiten

Letzte Aktualisierung: 21. Oktober 2020
Die Eigene Musik Veröffentlichen – Die Möglichkeiten

Die eigene Musik veröffentlichen – Einleitung

Wer früher die eigene Musik veröffentlichen wollte hatte es schwierig. Bands und Musiker*innen mussten Demos ihrer Songs aufnehmen und Kassetten bzw. CDs davon an Plattenfirmen, Radio-DJs, Veranstalter*innen und Booking-Agenturen schicken. Oder tolle Konzerte spielen und hoffen, dass irgendwelche Plattenfirma-A&R-Leute dabei wären, die von der Qualität und Vermarktbarkeit der Musik überzeugt werden könnten. In beiden Fällen bedeutete das viel Arbeit und Herzblut, völlig ohne Garantie auf einen Plattenvertrag.

Oder man griff in die Hosentasche um eine Platte bzw. eine CD selbst zu finanzieren und veröffentlichen, was neben dem finanziellen Aufwand auch mit dem Risiko verbunden war, dass nach einiger Zeit einen Großteil der Exemplare unverkauft unter dem Bett verstaut werden muss.

Musik selbst veröffentlichen geht heute ganz einfach

Heutzutage ist es viel einfacher, Musik zu veröffentlichen ohne ein Label.

In diesem Artikel beleuchte ich die Möglichkeiten. In zukünftigen Artikeln werde ich auf einige der Möglichkeiten und der verwandten Aspekten detaillierter aufgehen.

Musik veröffentlichen – die Voraussetzungen

Gehen wir also davon aus, dass du Instrumente gekauft hast und hast auch gelernt, wie man sie spielt. Dazu hast du Songs geschrieben, professionell aufgenommen, betitelt und die Ergebnisse von einem Profi mastern lassen.

Lassen wir uns auch davon ausgehen, dass etwaige Coverversionen von den jeweiligen Rechteinhaber*innen genehmigt wurden. Auch, dass etwaige sich in deiner Musik befindlichen Samples auch explizit genehmigt wurden 😉 – sonst könnte es teuer werden.

Artwork für deinen Release benötigst du auch. Stelle dir sicher, dass das Artwork nicht nur toll aussieht und deiner Musik bzw. deinem Image passt, sondern auch den Spezifikationen des jeweiligen Dienstes gerecht ist.

Musik veröffentlichen oder Musik verkaufen?

Dir solltest auch klar sein, welchem Ziel du mit „veröffentlichen“ folgst: deine Musik wortwörtlich „veröffentlichen“, damit andere sich die Musik nur anhören bzw. teilen können, oder eher „verkaufen“, also damit Geld verdienen?

Falls zweites nehmen wir an, dass du dich von einer Steuerberaterin/einem Steuerberater bzw. vom Finanzamt beraten lassen hast, wie Einkommen vom Verkauf deiner Musik steuerrechtlich gehandhabt werden soll.

Musik veröffentlichen auf der eigenen Website

Auf der eigenen Band-Website kannst du deine Musik sowohl zum Anhören als verkaufen anbieten. Letzteres ist mit etwas Aufwand verbunden, wie unten aufgeführt, und daher nicht immer wirklich empfehlenswert.

Deine Musik auf der eigenen Website nur zum Anhören anbieten

Falls du nur möchtest, dass sich Besucher*innen deiner Website deinen Song – oder einen Auszug davon – anhören können, geht das heute viel einfacher als früher. Du musst nicht mehr irgendwelchen Flash- bzw. JavaScript-Player aussuchen, einbinden und konfigurieren, weil HTML uns mittlerweile ermöglicht, Audio bzw. Video auf Websites direkt darzustellen. Du musst nur deinen Song auf deinen Webspace hochladen und ein Stück einfaches Code an der gewünschten Stelle deiner Website einfügen.

HTML-Audio unterstützt die Audioformate MP3, WAV und OGG. Zur Zeit des Schreibens unterstützen nicht alle gängige Browser alle Formate, aber alle unterstützen zurzeit MP3. Detaillierte Infos (auf Englisch) findest du hier.

Füge den Code unten als HTML (also nicht im WYSIWYG-Modus) in deine Website ein. Den Pfad und Dateinamen entsprechend anpassen. Leser*innen, die deine Website mit einem alten Browser besuchen werden die Fehlermeldung angezeigt (was ebenfalls anpassbar ist).

<audio controls>
  <source src="pfad-zu-deinem-song.mp3" type="audio/mpeg">
  Dein Browser unterstützt den Audio-Tag nicht.
</audio>

Das Ergebnis – Musik als HTML eingebettet

Nachteile dieser Methode

Allerdings ist diese Vorgehensweise nur wirklich praktisch, wenn du hier und da einen Song bzw. einen Auszug zum Anhören anbieten möchtest. Mit dieser Lösung ist es nicht möglich, eine Reihe Songs in einem „Player“ bereitzustellen.

Noch ein Nachteil davon ist, dass beim Abspielen der Musik die Bandbreite des eigenen Hostings verwendet wird. Falls du mit dieser Methode einen einstündigen DJ-Mix online stellst und er plötzlich viral wird könnte es abhängig von deinem Hosting-Paket teuer werden.

Wenn du also dauerhaft Musik machst und unter die Leute bringen möchtest gibt’s bessere Lösungen, die ich weiter unten erläutere.

Auf der eigenen Website Musik verkaufen

Es ist durchaus möglich, Musik über die eigene Website zu verkaufen. Obwohl Bezahlungen ganz einfach über PayPal laufen benötigst du aber für die Website ein Shop-System, damit Fans digitale Musikdateien oder sogar physische Formate kaufen können. Das bringt etwas an Zeitaufwand, auch wenn nicht unbedingt viel finanziellen Aufwand, mit sich.

Dazu gibt’s auch rechtliche Sachen zu berücksichtigen, wie die Erstellung der AGB. Und falls du Alben, CDs oder Merch verkaufen möchtest müsst du die verschiedenen Versandkosten für die verschiedenen Länder bzw. Regionen feststellen. Geschweige denn Kundenanfragen beantworten und dich um etwaige Reklamationen kümmern.

Alles in allem lohnt das Ganze in vielen Fällen nicht. Als alternativ kannst du deine Musik bei Drittanbietern – wie Bandcamp, oder Spezialisten in deiner Szene – verkaufen und Links dazu in die eigene Website einbauen. Aber Vorsicht mit den Playern von Drittdiensten. Diese müssen DSGVO-konform eingebunden werden – siehe weitere unten.

SoundCloud und Bandcamp – ganz unkompliziert deine Musik veröffentlichen

Sowohl SoundCloud und Bandcamp bieten eine einfache Möglichkeit, deine Musik unter die Leute zu bringen.

Musik auf SoundCloud veröffentlichen

Auf SoundCloud kannst du deine Musik bereitstellen, damit andere sich deine Songs anhören, liken und teilen können und andere dir folgen können.

Allerdings kannst du da deine Musik nicht verkaufen, obwohl du Links zu Drittanbietern wie Bandcamp und iTunes etc. einbauen kannst.

Mit einem gratis Profil kannst du bis zu insgesamt 3 Stunden deiner Musik hochladen, und natürlich Musik von anderen hören, liken und teilen und anderen folgen. Kostenpflichtige Pakete erlauben dir unter anderem mehr Musik auf der Plattform bereitzustellen.

Und wer weiß, wenn deine Musik die richtigen Ohren erreicht könnte was daraus werden…

Musik auf Bandcamp veröffentlichen und verkaufen

Eine Möglichkeit, deine Musik nicht nur Hörer*innen zu präsentieren, sondern auch zu verkaufen wäre Bandcamp. Über die Plattform kannst du nicht nur deine digitale Musik verkaufen, sondern auch Vinyl, CDs oder Merch. Dafür nimmt Bandcamp natürlich einen Anteil deines Umsatzes – zurzeit 15 % für digitale und 10 % für physische Produkte.

Auch auf dieser Plattform kannst du interessanten Musiker*innen folgen und auch selbst gefolgt werden.

SoundCloud- und Bandcamp-Player einbetten – die DSGVO

Sowohl SoundCloud als Bandcamp bieten Player an, mit denen du deine Musik, die du auf der jeweiligen Plattform veröffentlicht hast, auf deiner Website oder in den sozialen Netzwerken einbetten kannst.

Allerdings hat die DSGVO das Vorgehen etwas komplizierter gemacht. Es ist nicht mehr erlaubt, solche Player einfach ohne Weiteres einzubetten. In der Datenschutzerklärung deiner Website muss explizit darauf hingewiesen werden, dass Plugins von den jeweiligen Drittanbietern in deiner Website integriert sind.

Auch zu empfehlen ist ein Mechanismus, wobei solcher Inhalt von Drittanbietern erst geladen wird, nachdem Websitebesucher*innen auf einen Button geklickt haben. Damit erteilen sie ihre Genehmigung, dass ihre persönlichen Daten an den jeweiligen Drittanbieter weitergeleitet dürfen.

Auch deine Facebook-Bandseite muss über eine solche Datenschutzerklärung verfügen.

Streaming- und Download-Dienste

Wer heute an die Veröffentlichung von Musik denkt – vor allem jüngere und technikaffine Menschen – denkt wahrscheinlich an Streaming.

Streaming ist heute gang und gäbe. 2019 betrug Audio-Streaming 55,1 % des Umsatzes der deutschen Musikindustrie. Downloads bei iTunes und ähnlichen Diensten bildeten dagegen nur 6,2 % des gesamten Umsatzes der Branche (Quelle).

Musik auf Streaming-Diensten veröffentlichen

Der größte Vorteil von Streaming ist die Größe der Musik-Bibliothek, auf die du zugreifen kannst. Musik-Fans haben die Möglichkeit, Musik aus anderen Genren, Ären und Ländern zu entdecken. Musik, die sie in früheren Jahren wohl nie entdeckt hätten.

Aber als Band oder Musiker*in bringt Streaming einen großen Nachteil mit sich: für die große Mehrheit der da aufgetretenen Künstler*innen sind die Verdienstmöglichkeiten nicht nur bescheiden, sondern winzig. Obwohl Tantiemen je nach Dienst variieren kannst du davon ausgehen, dass du pro Stream einen Bruchteil eines Cents erzielst. Es wird also relativ viel Plays benötigt, um auch nur ein Taschengeld davon zu verdienen, geschweige denn davon zu leben.

Auf der anderen Hand ist es möglich, da Reichweite aufzubauen, vor allem falls deine Musik auf eine beliebte Playlist gelangt oder Hörer*innen durch die Algorithmen empfohlen wird.

Und falls du bereits ein gewisses Profil hast wird von Fans und zukünftigen Fans sowieso erwartet, dass deine Musik auf Streaming-Diensten zu finden ist.

Der Marktführer ist Spotify, aber auch am Markt tätig sind Konkurrenten wie Amazon Music, Apple Musik, Deezer, Google Play Music, Tidal, YouTube Music und andere.

Musik auf Streaming-Diensten veröffentlichen
Musik auf Streaming-Diensten veröffentlichen

Musik in den Download-Stores verkaufen

Mit dem Aufkommen des iPods 2001 und darauf folgend des iTunes-Store 2003 entstand ein Geschäft für das Kaufen digitaler Musik-Downloads. Aber mittlerweile wurde Downloaden durch Streaming überholt, und für Normalverbraucher*innen sind Download-Stores mittlerweile so gut wie tot, wie in den Statistiken weiter oben verdeutlicht.

Aber keine Regel ohne Ausnahme: Downloads werden noch von DJs und anstehenden DJs gekauft, da Streaming im DJ-Bereich noch in Kinderschuhen steckt. Erst jetzt wird Streaming nach und nach von verschiedenen DJ-Systemen unterstützt.

Wenn du Clubmusik irgendwelcher Art produzierst verkaufst du vielleicht doch einige Exemplare deiner Musik als Downloads. Die größte Plattform in diesem Bereich ist Beatport. Sie wird zwar von einigen als eher „Mainstream“ betrachtet („Beatport-Techno“), aber Mainstream bedeutet, dass sich viele Menschen für etwas interessieren. Es existieren für kleinere, spezialisierte Club-Genres auch kleinere, spezialisierte Download-Stores. Wenn du Club-Musik für den Underground machst kennst du bestimmt bereits die relevanten Stores in deinem Genre.

Wie du deine Musik auf Streaming-Diensten und in Download-Stores veröffentlichst

Es ist generell nicht möglich, dich direkt bei den verschiedenen Streaming-Diensten und Download-Stores anzumelden, um auf den Plattformen deine Musik zu veröffentlichen. (Eine Ausnahme dürfte die ganz spezialisierten Download-Stores sein, die in nur bestimmten Underground-Bereichen tätig sind.)

Dafür gibt’s Aggregatoren, also Dienste, die sich darum kümmern, deine Musik auf den jeweiligen Plattformen zu veröffentlichen.

Als Folge musst du dich nicht bei zwanzig verschiedenen Diensten anmelden und ihnen die Infos für deinen Release zwanzig mal einreichen. Du musst dich auch nicht mit verschiednen internationalen Steuersystemen beschäftigen. Die Aggregatoren bilden eine zentrale Anlaufstelle, damit du deine Musik veröffentlichen kannst.

Einige der Aggregatoren, die auf dem deutschsprachigen Markt präsent sind: digdis!, Feiyr, recordJet, TuneCore und youTunez.

Wie zu erwarten haben die verschiedenen Aggregatoren auch verschiedenen Preis-Modelle. Als Faustregel kannst du erwarten, dass die Aggregatoren um die 20 % des Umsatzes für sich halten, aber die Höhe dieser Gebühr ist je nach Anbieter anders. Also es lohnt sich, dir die Anbieter genau anzuschauen. Bei einigen musst du Einrichtungsgebühren verschiedener Höhen bezahlen. Und auch die Mindestauszahlungen variieren sich in der Höhe.

Noch ein wichtiger Punkt ist ob ein jeweiliger Anbieter exklusiven oder nichtexklusiven Vertrieb anbietet. Bei exklusiven Betrieb darfst du deine Musik nicht über andere Dienste anbieten. Das hört sich vielleicht restriktiv an, ist aber nicht unbedingt so schlimm wenn der in Frage kommende Anbieter deine Wunschplattformen deckt.

Was die Aggregatoren von dir benötigen um deine Musik zu veröffentlichen

Zunächst meldest du dich bei deinem Wunschaggregator an, über den du deine Musik veröffentlichen möchtest. Dann stellst du der Firma alle relevanten Information mit Bezug auf deiner Veröffentlichung bereit. Du lädst die Musikdateien und das Artwork dafür hoch. Sowohl Musikdateien als Artwork sollten in den von dem Aggregatoren gewünschten Formaten bereitgestellt werden.

Du machst das Veröffentlichungsdatum bekannt und pflegst die richtigen Metadaten ein. Es lohnt sich, die Metadaten sorgfältig einzupflegen, damit keine späteren Änderungen nötig werden.

Genre und Subgenre sind wichtig!

Stelle dir auch sicher darüber, dass du das richtige Genre bzw. Subgenre angibst. Ja, ja, ich weiß, deine Musik ist einmalig und lässt sich nicht in Schubladen stecken! Trotzdem sind Genre bzw. Subgenre wichtig. Es ist genauso wie im Plattenladen: wer zum Beispiel Metal liebt und kaufen möchte schaut sich am besten die Regalen mit der Kennzeichnung „Metal“ an. Die Regale für Jazz kann sie oder er ruhig ignorieren.

ISRC

Abschließend teilt der Aggregator deinen Musikdateien ISRCs (International Standard Recording Codes) zu. Das sind Codes, bestehend aus 12 Zeichen, die die Musikdateien „beschreiben“, damit sie eindeutig identifiziert werden können – genauso wie die Barcodes auf Plattenhüllen, Dosen Konserven oder anderen Produkten.

Falls diese Songs zum späteren Zeitpunkt auf einem anderen Label veröffentlicht werden, entweder als Neuauflage oder als Teil deines zukünftigen Greatest Hits-Releases, behalten sie die gleichen ISRC-Codes wie früher, also bewahre die Codes gut auf!

Musik veröffentlichen auf Vinyl oder CD

Abhängig von deiner Musikgenre, deiner Zielgruppe und deinem Bekanntheitsgrad käme vielleicht doch eine Platte oder eine CD in Frage wenn es um die Veröffentlichung deiner Musik geht.

Dafür sind die Kosten etwas größer, und du solltest diesen Schritt nur erwägen wenn die oben genannten Faktoren stimmen. Sonst hast du in Zukunft einen Haufen unverkauften Platten oder CDs im Dachboden.

Die Platten oder CDs kannst du sowohl auf Konzerten als auf deiner Website oder durch Bandcamp verkaufen, wobei Produkte über Bandcamp zu verkaufen viel einfacher ist als über die eigene Band-Website. Wenn du Produkte direkt auf der eigenen Website verkaufst musst du das Shop-System einrichten, Versandkosten ermitteln und einige rechtliche Sachen beachten.

Um Vinyl oder CDs im stationären Handel oder auf anderen Websites zu verkaufen benötigst du einen Vertrag mit einem Vertrieb, es sei denn du ein paar Läden in deiner Nähe oder einschlägige Online-Spezialisten direkt versorgst.

Musik veröffentlichen auf Vinyl

Wie finde ich ein Presswerk um physische Musik zu veröffentlichen?

Wenn du in einer Suchmaschine nach Presswerken für Vinyl und CD suchst bekommst du eine Menge Treffer. Die meisten davon sind entweder Zwischenhändler, die deine Musik und dein Artwork an ein bestimmtes Presswerk weiterleiten, oder Vermittler, die mit mehreren Presswerken arbeiten.

„Echte“ Presswerke sind zum Beispiel Optimal Media hier in Deutschland, GZ in Tschechien (dessen Website zurzeit nicht über eine sichere https://-Verbindung verfügt, daher kein Link), MPO in Frankreich oder Record Industry in den Niederlanden, wobei die zwei letztgenannten keine deutschsprachige Website anbieten.

Da fragst dich vielleicht, warum du mit einem Zwischenhändler arbeiten solltest, wenn du dich direkt an ein Presswerk wenden könntest.

Das musst du selbst entscheiden, aber wenn du mit einem kompetenten Partner arbeitest hast du jemanden, der bzw. die sich daran gewöhnt ist, mit Anfänger*innen zu arbeiten, und deine typische Fragen – und die Antworten darauf – bereits kennt. Außerdem, wenn solche Zwischenhändler eine gute Arbeitsbeziehung zu dem jeweiligen echten Presswerk hat, und ihm eine Reihe Aufträge im Monat vergibt, hat dein Release vielleicht eine höhere Priorität bei dem Presswerk als wenn du dich direkt als „Fremdperson“ meldest um zu fragen ob eine Auflage von 300 Platten möglich wäre, und zwar „auf die Schnelle“.

Denke auch daran, dass die Lieferzeiten mittlerweile recht lang sind, vor allem für Vinyl. Bei den Presswerken weltweit gibt’s sehr begrenzte Kapazität, die gerne von den Major Labels, die 20 Jahre lang Vinyl total vernachlässigten, ausgenutzt wird. Falls du zum Beispiel Vinyl auf deiner Tour verkaufen möchtest musst du weit im Voraus planen.

Musik auf Vinyl veröffentlichen

Vorteile:

  • Vinyl erlebt in den letzten Jahren eine Boom-Phase
  • Viele Fans schätzen Vinyl als Objekte der Begierde, auch wegen der größeren Fläche für tolles Artwork und Songtexte etc.
  • Viele bevorzugen die warme Töne des Vinyls, samt dem leichten Knistern…

Nachteile:

  • …Während andere die Tonqualität des Vinyls nicht so schätzen, sondern sich lieber CDs bzw. andere digitale Musik anhören
  • Groß, schwer und nicht so transportierbar wie CDs (Tour!)

Vinyl-Lathe-Cuts statt -Pressungen

Falls du deine Musik in Kleinauflage – und sogar in winziger Auflage – auf Vinyl veröffentlichen möchtest wäre Lathe-Cuts („Dubplates“) eine Möglichkeit. Da diese auf Basis aufwändiger Handarbeit und in Echtzeit hergestellt werden sind sie als Folge teuer, und lohnen sich nur wenn du bereits treue Fans hast, die gerne relativ viel Geld für Ungewöhnliches ausgeben.

Download-Code anbieten

Vielen Platten werden eine Karte samt Download-Code beigelegt. Dadurch können Käufer*innen die Musik, die sie auf Vinyl gekauft haben, auch herunterladen, um sich sie bequem auf Geräten wie Computer, Tablet oder Handy anzuhören.

Die Codes bzw. Karten sind von Drittfirmen angeboten und werden im Presswerk den Platten beigelegt.

Musik auf CD veröffentlichen

Vorteile:

  • CDs enthalten digitale Musik, die deinen digitalen Aufnehmen entspricht
  • Klein und einfacher zu transportieren als Vinyl, z. B. zum Verkauf auf Konzerten und Tours
  • Einfacher für Fans auf Konzerten zu kaufen und bequem mit nach Hause zu nehmen als Vinyl
  • Eignen sich für special Editionen, wie zum Beispiel aufwändige Wiederveröffentlichungen samt Bonus-Tracks zum 20. Jubiläums des Albums
  • Eine gutes Format für z. B. ältere Zielgruppen

Nachteile:

  • CDs enthalten zwar digitale Musik, aber auf einem physischen Format, was heutzutage etwas überflüssig wirken kann
  • Verkaufszahlen sinken seit Jahren (aber in Deutschland nicht so extrem wie in anderen Ländern)
  • Fur einige Zielgruppen gar nicht interessant

CDs duplizieren statt pressen

Falls du deine Musik in Kleinauflage auf CD veröffentlichen möchtest käme vielleicht CD-Duplikation in Frage. Bei diesem Prozess werden die CDs nicht individuell gepresst, sondern auf CDR-Basis dupliziert. Das erspart einiges an Einrichtarbeiten und erspart dir daher Geld. Abhängig von Anbieter sind Kleinauflagen ab 50–100 Stück möglich. Genauso wie bei herkömmlichen gepressten CDs kannst du zwischen verschiedenen Arten Verpackung wählen und die CD-Oberflächen können farbig bedruckt werden.

Als Nachteile zu erwähnen sind, dass sich nicht alle CDRs zuverlässig in jedem CD-Laufwerk spielen lassen. Auch, dass die Verpackung, ob Jewelcase oder aus Pappe, nicht immer so hochwertig bzw. robust ist wie bei herkömmlichen CDs. Falls du dir Sorgen darüber machst könntest du im Voraus bei in Frage kommenden Anbietern nach einem Muster fragen, um einen Eindruck davon zu bekommen.

Musik veröffentlichen auf anderer Art – als Musikkassette

Auch dieses Musikformat der 70er und 80er Jahre erlebt gerade eine kleine Renaissance, zumindest in einigen Szenen. Die Tonqualität ist nach wie vor nicht das Beste, die magnetische Beschichtung degradiert nach und nach noch, und kaum jemand ist heute in der Lage, sich Musik in diesem Format anzuhören. Trotzdem könnte abhängig von der Szene und Zielgruppe eine Musikkassette noch interessant werden, auch wenn nur als ungewöhnliches Gegenstand, das auf den Regalen der Fans sitzt.

Fazit

Ich hoffe, dass dir dieser Artikel ein paar Denkanstöße gegeben hat. Auch, dass dir jetzt klarer bist, wie du deine eigene Musik veröffentlichen kannst.

Wichtig hervorzuheben ist aber, dass Musik veröffentlichen alleine nichts bringt, egal wie du deine Musik veröffentlichen möchtest. Genauso wichtig ist der Marketing und die Promotion. „Fire und Forget“ funktioniert überhaupt nicht – was ich aus eigener Erfahrung durchaus bestätigen kann!

Bilderquellen: Die von mir erfundene Verpackung der von mir erfundenen Künstlerin Lena Musterfrau © Paul Jackson. „Lena Musterfrau“ Fotos © Florin1605/istockphoto.com. Foto MacBook mit Streaming-Dienst © sgcdesignco bei Unsplash. Foto Vinyl auf Plattenspieler © Ingo Ellerbusch bei Unsplash. Sonstige Collagen, Fotos und Grafiken © Paul Jackson.

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